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LAKTOSEINTOLERANZ |
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Patienteninformation Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) |
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Sehr geehrte liebe Patientin, sehr geehrter lieber Patient |
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wir haben bei Ihnen die Diagnose einer Milchzuckerunverträglichkeit gestellt bzw. zumindest den Verdacht auf diese Erkrankung bis dato ausgesprochen. Der Nachweis erfolgt durch einen hochsensitiven H2-Atemtest (Sensitivität 70 - 100 %, Spezifität 90 - 100 %). Unsere Praxis ist in der Lage, diesen Test mit zahlreichen anderen gastroenterologischen Funktionstesten durchzuführen. Diese unten aufgeführten Erläuterungen sollen dem Verständnis dieser Problematik dienen. |
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Essen und Trinken bei Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) |
Die Milchzuckerunverträglichkeit (= Laktoseintoleranz) ist weit verbreitet. Es wird geschätzt, daß etwa 90 % der erwachsenen Weltbevölkerung betroffen sind. In den nordeuropäischen Ländern und bei den Nordamerikanern mit weißer Hautfarbe liegt der Anteil bei etwa 5 bis 15 % der Bevölkerung. |
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| Wie entsteht eine Milchzuckerunverträglichkeit? |
Die Milchzuckerunverträglichkeit beruht auf einem Mangel an Laktase. Laktase ist ein Enzym, das in der Dünndarmschleimhaut gebildet wird und das den Milchzucker (Laktose) im Darm, in Traubenzucker (Glukose) und Schleimzucker (Galaktose) spaltet. Steht dem Darm keine oder zu wenig Laktase zur Verfügung, wird der mit der Nahrung zugeführte Milchzucker nur teilweise gespalten und von der Darmwand aufgenommen. Ein Teil des Milchzuckers gelangt "unverdaut" in den Dickdarm. Hier wird er von den Darmbakterien zu Milchsäure, Essigsäure und Kohlendioxid abgebaut.
Die bakterielle Spaltung des Milchzuckers bewirkt im Dickdarm eine Steigerung des osmotischen Druckes und es kommt zu einer vermehrten Wasseransammlung. Hinzu kommt, daß die organischen Säuren die Peristaltik (Darmbewegung) fördern. Die Folge sind Durchfälle mit wäßrigen, schäumenden, sauer riechenden Stühlen. Die Betroffenen leider außerdem unter Blähungen und kolikartigen Bauchschmerzen. Bei Säuglingen kommt es zu Erbrechen und schweren Gedeihstörungen. |
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Man unterscheidet:
- primärer Laktasemangel
- sekundärer Laktasemangel
- erworbener Laktasemangel |
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Beim primären Laktasemangel handelt es sich um einen angeborenen Enzymdefekt. Es fehlt von Geburt an das Enzym Laktase. Diese Erkrankung ist äußerst selten. Ein angeborener Laktasemangel kann beim Säugling zu schweren Gedeihstörungen führen, bedingt durch die starken Durchfälle, die mit einem hohen Wasserverlust einhergehen. Behandlung: konsequente milchzuckerfreie Ernährung mit Spezialsäuglingsmilchnahrungen.
Ein sekundärer Laktasemangel kann als Begleiterkrankung bei verschiedenen Erkrankungen des Dünndarmes wie Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, aber auch nach einer Mange- und Darmoperation auftreten. Die Symptome sind dieselben wie beim primären Laktasemangel. Die Milchzuckerunverträglichkeit kann sich jedoch zurückbilden, wenn die Grundkrankheit erfolgreich behandelt werden kann.
Beim erworbenen Laktasemangel ist die Ursache noch weitgehend unbekannt. Bei vielen Erwachsenen liegt die Laktaseaktivität in der Dünndarmschleimhaut so niedrig, daß Milch oder milchzuckerhaltige Lebensmittel, in größeren Mengen verzehrt, Durchfälle und Bauchbeschwerden auslösen. Häufig werden bei der erworbenen Milchzuckerunverträglichkeit kleine Mengen an Milchzucker toleriert. Dies muß jedoch im Einzelfall immer vorab ausgetestet werden.
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Wie wird eine Milchzuckerunverträglichkeit behandelt? |
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Haben spezielle Untersuchungen die ärztliche Diagnose eindeutig bestätigt, kann die Laktoseintoleranz, je nach Schweregrad, durch eine milchzuckerfreie bzw. milchzuckerarme Diät erfolgreich behandelt werden. Eine laktosefreie Kost enthält pro Tag maximal 1 g Laktose, eine laktosearme Kost maximal 8 bis 10 g Laktose.
Der gesunde Erwachsene nimmt täglich etwa 20 bis 30 g Laktose zu sich. Da die Milchzuckeraufnahme überwiegend durch Milch und Milchprodukte erfolgt,muß bei einer laktosefreien Ernährung auf Milch und Milchprodukte ganz oder teilweise verzichtet werden. |
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Tabelle 1: Laktosegehalt von Milch und Milcherzeugnissen |
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| 100 g Lebensmittel enthalten : |
Laktose (g) |
| Konsummilch (Frischmilch, H-Milch) 4,8 - 5,0 |
0,6 |
| Milchmixgetränke (Schoko, Mokka, Vanille, Erdbeer, Banane, Himbeer, Nuß) |
4,4 - 5,4 |
| Dickmilch |
3,7 - 5,3 |
| Frucht-Dickmilch |
3,2 - 4,4 |
| Jughurt |
3,7 - 5,6 |
| Jughortzubereitungen |
4,4 - 5,4 |
| (Schoko, Nuß, Müsli, Mokka, Vanille) |
3,5 - 6,0 |
| Kefir |
3,5 - 6,0 |
| Buttermilch |
3,5 - 4,0 |
| Sahne, Rahm (süß, sauer) |
2,8 - 3,6 |
| Creme fraiche |
2,0 - 2,4 |
| Creme double |
4,5 |
| Kaffeesahne (10-15 % Fett) |
3,8 - 4,0 |
| Kondensmilch (4-10 % Fett) |
10,8 - 12,5 |
| Butter |
0,6 - 0,7 |
| Milchpulver |
38,0 - 51,5 |
| Molke, Molkegetränke |
3,5 - 5,2 |
| Desserts (Fertigprodukte; Cremes, Puddig) Milchreis, Grießbrei) |
2,8 - 6,3 |
| Eiscreme (Milch-, Frucht-, Joghurteis) |
5,1 - 6,9 |
| Sahneeis |
1,9 |
| Magerquark |
4,1 |
| Speisequark (10-70% Fett i.Tr.) |
2,0 - 3,8 |
| Schichtkäse (10-50% Fett i.Tr.) |
2,9 - 3,8 |
| Hüttenkäse (20% Fett i.Tr.) |
3,0 |
| Frischkäsezubereitungen (10-70% Fett i.Tr.) |
2,0 - 3,8 |
| Schmelzkäse (10-70% Fett i.Tr.) |
2,8 - 6,3 |
| Käsefondue (Fertigprodukt) |
1,8 |
| Käsepastete (Schmelzkäsezuber. 50% Fett i.Tr.) |
4,4 |
| Kochkäse (0-45 % Fett i.Tr.) |
3,2 - 3,9 |
| Emmentaler, Bergkäse, Berhofkäse, Reibkäse, Parmesan, Alpkäse, Edamer, Gouda, Tilsiter, Staufkäse, Steppenkäse, Trappistenkäse, Appenzeller, Backsteiner, Brie, Camembert, Weichkäse, Weinkäse, Weißlacker, Chester, Edelpilzkäse, Schafskäse, Havarti, Jerome, Limburger, Romadur, Mozzarella, Münsterkäse, Raclette, Räucherkäse, Sandwich-Käsepastete, Bad Aiblinger Rahmkäse, Butterkäse, Esrom, Sauermilchkäse (Harzer, Mainzer. Handkäse) |
< 0,1 |
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Milch und Milchprodukte versorgen Sie vor allem mit dem Mineralstoff Calcium. Wenn Sie Milch und Milchprodukte nicht vertragen, sind pflanzliche Lebensmittel als Calciumlieferanten auszuwählen (s. Tabelle 2). Die Ausnutzung des Calciumanteils ist aus diesen Lebensmitteln allerdings deutlich niedriger als aus Milch und Milchprodukten. |
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Tabelle 2: Calciumgehalt pflanzlicher Lebensmittel |
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| 1 Portion enthält |
Calcium (mg) |
| Kartoffeln, ohne Schale, 200 g |
20 |
| Sojakeim, 50 g |
20 |
| Sonnenblumensamen, 20 |
20 |
| Weizenkeime, 50 g |
35 |
| Mandeln, 50 g |
125 |
| Vollkornbrot, 200 g |
130 |
| Lauch, 200 g |
170 |
| Brokkoli, Mangold, 200 g |
210 |
| Spinat, 200 g |
250 |
| Grünkohl, 200 g |
420 |
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Tips für die Praxis |
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- Statt Kondensmilch oder Kaffeesahne können Sie laktose-freien Kaffeweißer nehmen,
- Müslis können Sie anstelle von Milch oder Joghurt mit Fruchtsaft zubereiten.
- Bevorzugen Sie als Getränke calciumreiche Mineralwasser und calciumangereicherte Fruchtsäfte.
- Kuchen und Gebäck können Sie essen, wenn für deren Herstellung keine Milch verwendet wurde. Biskuit-, Mürbe- und Strudelteige lassen sich z.B. ohne Milch zubereiten.
- Besprechen Sie bei Einladungen und Partys mit dem Gastgeber Ihre besondere Ernährungssituation.
- Wählen Sie im Restaurant und im urlaub nur solche Gerichte aus, bei denen Sie ganz sicher sind, daß sie milch- bzw. milchzuckerfrei sind. Im Zweifelsfall fragen Sie nach.
- Wenn Sie nicht sicher sein können, laktosefreies Essen in der Kantine zu bekommen, nehmen Sie besser eine Kaltverpflegung von zu Hause mit und essen abends warm.
In der Lebensmittelindustrie wird oft aus technologischen Gründen zahlreichen Produkten, die von Natur aus keine Milchbestandteile enthalten, Milchzucker zugesetzt. Lesen Sie deshalb immer genau die Zutatenliste, die auf jeder Verpackung sein muß. Im Zweifelsfall fragen Sie unbedingt beim Hersteller nach.
Für unverpackte Lebensmittel wie Backwaren, Fleisch, Wurst, Fisch und Fischerzeugnisse, Feinkostsalate und ähnliches gibt es keine Zutatenliste. Fragen Sie beim Kauf immer nach, ob das Produkt auch wirklich ohne Milch bzw. Milchzucker hergestellt wurde.
Probieren Sie aus, inwieweit Sie nicht doch kleine Mengen an Joghurt, Quark oder Hartkäse vertragen.
Wenn Sie Medikamente einnehmen, fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, ob das Präparat laktosefrei ist.
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Laktosefreie Lebensmittel |
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Milchersatz: Sojagetränke
Fleisch und Fisch: alle Sorten in milch- und sahnefreier Zubereitung
Fleischwaren: roher und gekochter Schinken, Braten, Kasseler, Roastbeef, Rauchfleisch, Geflügel-, Kalbfleisch-, Gemüsesülzen
Fette: alle Pflanzenöle, Margarine ohne MilchanteileNährmittel: alle Getreide- und Mehlsorten, Reis, Mais, Haferflocken und andere Getreideflocken
Brot- und Backwaren: alle Brot- und Gebäcksorten, die ohne Milch, Milchpulver,Buttermilch und ähnlichem gebacken sindGemüse, Hülsenfrüchte:alle Sorten
Obst, Nüsse: alle Sorten
Kartoffeln: in milchfreier ZubereitungGetränke: Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetees, Kaffee, schwarzer Tee, Obst- und Gemüsesäfte, Fruchtsaftgetränke, Limonaden, Brausen Sonstiges: Honig, Konfitüre, Gelee, Apfelkraut, Sirup, Gewürze, Süßwaren ohne Milch- und Milchzuckerzusatz |
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ZUSAMMENFASSUNG |
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Ziele der Ernährungsbehandlung:
Ziel eines angepaßten Ernährungszustandes soll sein mit möglichst wenig Verzicht oder Verlustgefühl einen optimalen Ernährungszustand zu erreichen und wenig zu vermissen.
Da außerordentlich unterschiedliche Ausprägungen der Milchzuckerunverträglichkeit bestehen, sollte ein jeder Betroffene individuell seine Verträglichkeitsschwelle für milchzuckerhaltige Nahrungsmittel austesten. Dieses kann man besten in Form einer konsequenten Stufentherapie unternehmen. |
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1) Woche 1 und 2: Völliger Verzicht auf alle Milchprodukte.
2) Woche 3: Einnahme von Quark. Falls vertragen:
3) Woche 4: Einnahme von Quark und Joghurt. Falls vertragen:
4) Woche 5: Zusätzlich Hartkäse, ggf. auch Weichkäse. Falls vertragen:
5) Woche 6: Frischmilchprodukte, dann in steigernden Mengen.Wichtig ist, daß Sie genaustens Protokoll führen über die eingenommene Nahrung sowie die möglicherweise resultierenden Beschwerden.
Wir hoffen, daß Ihnen mit diesen Tips geholfen werden konnte und daß Sie ohne größere Verlustgefühle eine für Sie angepaßte Nahrungsform herausfinden. |
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mit freundlichen Grüßen
Ihre Praxis Dr. med. A. Boekstegers |
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